Abschlusskommentar von Rainer Baake (DUH)

Die CCS-Debatte ist Kohle-fixiert. Das ist einerseits verständlich, da mit dem verlogenen Versprechen auf Nachrüstung mit CCS heute konventionelle Kohlekraftwerke gegen gut begründete Widerstände durchgesetzt werden sollen. Andererseits weichen die Diskutanten gerne der Frage aus, was mit den prozessbedingten Treibhausgas-Emissionen aus dem Bereich der Industrie geschehen soll.

Einmal angenommen es gelingt, in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland die Stromversorgung zu 100% auf Erneuerbare Energien umzustellen und sämtliche Kohle- (und viel früher schon alle Atom-) -kraftwerke abzuschalten. Es gelingt, den Wärmebedarf unserer Gebäude auf fast Null zu senken und im Verkehrsbereich verbannen wir alle fossilen Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin. Sind wir dann am Ziel? Nein, leider nicht.

In der Stahl-, Zement- und Chemieindustrie fallen erhebliche Mengen an prozessbedingten Emissionen an, die nichts mit dem Stromverbrauch zu tun haben.
Wohin damit? Vermeiden? Geht nicht. Selbst Windmühlen und Solarzellen brauchen Stahl, Zement und Chemie.

Ich sehe derzeit keine andere Alternative als CCS, oder besser „vielleicht CCS“, weil der Nachweis der sicheren Beherrschung noch erbracht werden muss.

Der Streit darüber muss ausgetragen werden. Am Ende werden vielleicht folgende Ergebnisse stehen: Neue Kohlekraftwerke werden nicht mehr gebaut. CCS wird a) übergangsweise für die Emissionen aus flexiblen Gaskraftwerken eingesetzt, weil wir die auf den Weg zu 100% Erneuerbaren noch eine Zeitlang brauchen. Und b) für prozessbedingte Emissionen aus der Industrie. Sowie c) für Treibhausgasemissionen aus Biogasanlagen, da wir zusätzlich noch Senken brauchen.

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