Gastbeitrag: Ton Wildenborg (Niederlande) zur Risikoabschätzung

Betrachtet man die Frage nach Onshore- oder Offshore-Lagerung aus der Sicht der Risiken, muss klar sein, dass eine Speicherlösung immer so ausgelegt sein muss, dass es gar keine Lecks geben darf. Trotz alledem gibt es bislang keine Speicherlösung, die überhaupt kein Risiko beinhaltet.

In der Risikoanalyse unterscheidet man drei unterschiedliche Fälle: Die potentiellen Ursachen von ungewollten Ereignissen (oder Bedrohungen), die ungewollten Ereignisse (oder Gefährdungen), wie zum Beispiel Lecks, Absetzung von Flüssigkeiten oder Erdbewegungen, und die Konsequenzen oder Auswirkungen dieser Ereignisse. Potentielle Ursachen oder Bedrohungen von Lecks machen in der Frage um Onshore- oder Offshore-Speicherung keinen Unterschied. Der hauptsächliche Unterschied ist in den potentiellen Konsequenzen eines möglichen Lecks zu finden: Da es Offshore keine direkt betroffene Bevölkerung gibt, wäre ein Austreten des CO2 für die menschliche Bevölkerung vernachlässigbar. Natürlich könnte das Austreten einen Einfluss haben auf die Umwelt im Meer, vor allem für Lebewesen, die besonders tief oder auf dem Meeresboden leben. Andere potentielle Bedrohungen wie Erdstöße oder Absetzung von Flüssigkeiten würden nicht zu besonders heftigen Konsequenzen für die Meeresumwelt führen.

Das internationale London Protokoll (LP) und die OSPAR Konvention wurden erweitert und somit Offshore-Speicherung völkerrechtlich akzeptiert, solange die Umwelt und die LP/OSPAR Richtlinien für Sicherheit eingehalten werden. Die Richtlinien zur CO2-Speicherung der OSPAR Konvention wurden auch in die EU-Richtlinie zur CO2-Speicherung einbezogen, die nun als Vorlage für nationale Gesetze in den EU-Ländern dient.

Eine Offshore-Speicherung wird höhere Investitionen verlangen als die Speicherung der gleichen Menge Onshore. Denn Offshore-Speicherung führt dazu, dass das CO2 erst einmal an die passende Stelle transportiert werden muss. Außerdem müssen zur Speicherung Offshore Plattformen gebaut werden und Löcher gebohrt werden, durch die das CO2 in das Gestein verpresst wird. Wird allerdings bereits bestehende Infrastruktur genutzt, wie zum Beispiel alte Plattformen, Bohrlöcher und Pipelines, könnten sich die Kosten für eine mögliche Offshore-Speicherung verringern.

Ton Wildenborg ist Geologe aus den Niederlanden.

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