Abschlusskommentar von Tina Löffelsend (BUND)

21. Juli 2009

Die Skepsis gegenüber CCS ist weit verbreitet. Das spiegelt sich auch in vielen, wenn nicht sogar den meisten Kommentaren in diesem Forum wider.

In den Regionen, wo die potentiellen CO2 –Lagerstätten liegen sollen – in Ost-Brandenburg und im Norden Deutschlands – schlagen die Protestwellen der Bürgerinnen und Bürger hoch. Deshalb konnte das CCS-Gesetz, das den großtechnischen Einsatz der unerprobten Technologie ermöglicht hätte, vorerst gestoppt werden, aber eben nur vorerst.

Energiekonzerne, Wissenschaft und Politik können die Fragen der Anwohner nicht klären: Wie verhält sich das CO2  über so lange Zeiträume im Untergrund, welche Auswirkungen hat die Verpressung auf das Grundwasser? Kann ein plötzliches Entweichen ausgeschlossen werden? etc. Das Desaster um das Atommülllager Asse macht das Versprechen auf CO2-Lagerstätten in der Bevölkerung nicht attraktiver. Die politische und die reale Durchsetzbarkeit der CCS- Technologie wirkt vor dieser Kulisse zumindest schwierig.

Mit CCS werden große Versprechen verbunden, ob sie je eingelöst werden können, weiß niemand. Wenn ein Kohlekraftwerk heute „CCS ready“ gebaut wird, heißt das nur, dass eine Fläche ausgewiesen wird, auf der einmal eine CCS-Anlage stehen könnte, nicht aber, dass Kohlekraftwerke tatsächlich nachrüstbar sein müssen.

Der sorgfältige Umgang mit Steuergeldern würde gebieten, dass die verantwortlichen Politiker diese Unwägbarkeiten berücksichtigen. Stattdessen werden nicht nur Milliarden an CCS-Subventionen vergeben, sondern sollten auch – wie es die Kohle-Lobby diktiert hatte – alle langfristigen finanziellen Risiken auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Das ist im Interesse der Konzerne, aber nicht im Interesse der Bevölkerung. Effektiver Klimaschutz ist dagegen Politik, die allen nützt – und zweifelsfrei auch dem Klima.


Abschlusskommentar von Rainer Baake (DUH)

21. Juli 2009

Die CCS-Debatte ist Kohle-fixiert. Das ist einerseits verständlich, da mit dem verlogenen Versprechen auf Nachrüstung mit CCS heute konventionelle Kohlekraftwerke gegen gut begründete Widerstände durchgesetzt werden sollen. Andererseits weichen die Diskutanten gerne der Frage aus, was mit den prozessbedingten Treibhausgas-Emissionen aus dem Bereich der Industrie geschehen soll.

Einmal angenommen es gelingt, in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland die Stromversorgung zu 100% auf Erneuerbare Energien umzustellen und sämtliche Kohle- (und viel früher schon alle Atom-) -kraftwerke abzuschalten. Es gelingt, den Wärmebedarf unserer Gebäude auf fast Null zu senken und im Verkehrsbereich verbannen wir alle fossilen Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin. Sind wir dann am Ziel? Nein, leider nicht.

In der Stahl-, Zement- und Chemieindustrie fallen erhebliche Mengen an prozessbedingten Emissionen an, die nichts mit dem Stromverbrauch zu tun haben.
Wohin damit? Vermeiden? Geht nicht. Selbst Windmühlen und Solarzellen brauchen Stahl, Zement und Chemie.

Ich sehe derzeit keine andere Alternative als CCS, oder besser „vielleicht CCS“, weil der Nachweis der sicheren Beherrschung noch erbracht werden muss.

Der Streit darüber muss ausgetragen werden. Am Ende werden vielleicht folgende Ergebnisse stehen: Neue Kohlekraftwerke werden nicht mehr gebaut. CCS wird a) übergangsweise für die Emissionen aus flexiblen Gaskraftwerken eingesetzt, weil wir die auf den Weg zu 100% Erneuerbaren noch eine Zeitlang brauchen. Und b) für prozessbedingte Emissionen aus der Industrie. Sowie c) für Treibhausgasemissionen aus Biogasanlagen, da wir zusätzlich noch Senken brauchen.