Abschlusskommentar von Felix Matthes (Öko-Institut)

22. Juli 2009

Ambitionierte Klimaschutzpolitik ist ein unbequemes Geschäft. Es muss extrem unbequem sein für diejenigen, die klimaschädliche Investitionen oder klimaschädliches Handeln vorantreiben. Es bedeutet aber auch, dass man sich selbst unbequeme Fragen stellen muss. Und dass man sich bei den Antworten nicht an den Herausforderungen der realen Welt herumdrücken darf. Es ist einfach zu bequem, CCS die Etiketten „Kohle“ und „Asse“ aufzukleben und sich mit (dazu noch unzutreffenden) „Szenarienbeweisen“ aus der ernsthaften Debatte zu stehlen.

Das Wissen zu CCS ist umfangreicher als oft postuliert. Und es ist schon beeindruckend, dass das IPCC einerseits stets und ständig als Kronzeuge für alle Fragen der Klimapolitik herangezogen wird und es andererseits offensichtlich gelingen kann, die Arbeiten des IPCC zu CCS weitgehend auszublenden.

Die unbequemen Antworten auf die Herausforderung der Dekarbonisierung sind, dass wir uns neue Kohlekraftwerke ohne CCS klimapolitisch nicht leisten können und erneuerbare Energien und Energieeffizienz – mit allen verbundenen Herausforderungen – die allerhöchste Priorität haben müssen. Dazu gehört aber auch, dass wir für eine ganze Reihe von Emissionsquellen (Prozessemissionen, Biomassewirtschaft) keine oder nur teilweise befriedigende klimapolitische Antworten jenseits von CCS haben. Und dass CCS – für uns und auch weltweit – eine Rückfalloption für die Situation ist, dass sich nicht alle Erwartungen bei anderen Klimaschutzoptionen erfüllen.

Denn es gibt auch noch CO2-arme Energieerzeugungstechnologien mit viel größeren Risiken als CCS. Unbequem ist aber auch die Erkenntnis, dass die Energiewende infrastrukturintensiv ist – und mit Eingriffen in Gewohn- und Gewissheiten, aber auch die Natur verbunden sein wird. Das aufgeklärte Abwägen von Chancen und Risiken bei Klimaschutzmaßnahmen statt der Flucht in scheinbare Patentrezepte wird die Umsetzung der Dekarbonisierung vom Papier in die reale Welt begleiten müssen. Nicht nur bei CCS. Und das wird ganz sicher unbequem bleiben. Weil wir uns ein Scheitern nicht leisten können.