Tina Löffelsend (BUND): Klimaschutz statt CCS!

Tina Löffelsend, Referat Klima, Wirtschaft und Finanzen beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), schreibt:

„Es ist heute nicht zu sagen, ob die CCS-Technologie jemals großtechnisch machbar und wirtschaftlich sein wird. Nehmen wir an, es würde gelingen:

Würde Kohle mit CCS also „sauber“?
Nein, denn beim Einsatz von CCS wird kein CO2 vermieden. Zusätzlich sinkt der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken um durchschnittlich 10 Prozentpunkte, 30% mehr Energieeinsatz wird benötigt, das heißt, CCS erhöht die CO2 –Emissionen sogar noch. Zudem können nur rund 90% der Emissionen abgeschieden werden.

Kann CCS zur Erreichung der Klimaziele beitragen?
Die Technologie soll frühestens 2020 großtechnisch einsatzfähig sein. Bis dahin aber dient CCS den großen Energiekonzernen dazu, den weiteren Zubau von Kohlekraftwerken zu legitimieren. Das droht den CO2 -Ausstoß deutlich zu erhöhen und schafft einen Sockel an Emissionen, bei dem auch der Einsatz von CCS die langfristigen Klimaziele unerreichbar macht. Die entscheidende Frage aber wird nicht mit Sicherheit zu klären sein: ob die unterirdischen Lagerstätten dauerhaft, d.h. für 10.000 Jahre, dicht bleiben. Die Klimapolitik muss daher nach dem Vorsorgeprinzip handeln und ohne die Option CCS kalkulieren.

Brauchen wir CCS als Teil der Energiewende?
Nein, die notwendigen Maßnahmen sind bekannt und vorhanden: Erneuerbare Energien, Effizienz und Energiesparen. Mit CCS werden die Weichen politisch wie in Forschung und Entwicklung falsch gestellt, da zentrale Großkraftwerke konserviert werden, die mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht vereinbar sind. Das ist eine Systementscheidung.

Sollte die Allgemeinheit für CCS zahlen?
Nach heutigen Schätzungen sind die potentiellen CO2 –Lagerstätten nach 30 bis 60 Jahren voll. Der mögliche Nutzen steht daher in keinem Verhältnis zu den notwendigen Milliardeninvestitionen – welche die Energiekonzerne allein aber nicht tätigen werden. Und ob CCS irgendwann zum europäischen Exportschlager wird, ist zumindest fraglich: von Australien bis China wird an CCS genauso geforscht.“

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5 Responses to Tina Löffelsend (BUND): Klimaschutz statt CCS!

  1. Kranzmann sagt:

    Würde Kohle mit CCS also “sauber”?

    Sicher ist zuerst der Wirkungsgrad neuer Kraftwerke entsprechend zu erhöhen, damit der Einsatz von Primärenergie nicht ansteigen muss, wie hier beschrieben wird. In der Roadmap, die unter dem Titel Empfehlungen des COORETEC-Beirats zur Förderung von Forschung und Entwicklung CO2-emissionsarmer Kraftwerkstechnologien und zur CO2-Abscheide- und Speichertechnologien ist, und unter
    http://www.cooretec.de/publikationen
    abgerufen werden kann, wird genau diese Strategie verfolgt.

    Kann CCS zur Erreichung der Klimaziele beitragen?
    CCS ist heute bereits installiert. Zum Beispiel in Norwegen. CCs könnte also schneller zur technischen Realität werden, wenn nicht vorher die Wirkungsgrade erheblich erhöht werden müssen. Aus beschriebenen Gründen.

    Informationen

    http://www.ieagreen.org.uk/ccs.html

    Vielleicht hilft dies, das Bild etwas zu erweitern.

  2. Sabine Walter sagt:

    Würde Kohle mit CCS also „sauber“?

    Die Effizienz von Kohlekraftwerken sinkt um ca. 10 Prozent – das hat einen weiteren Anstieg auch der anderen Kohle-Emissionen zur Folge und außerdem eine Verschärfung sämtlicher Probleme des Kohleabbaus und -transportes!
    Des weiteren: Selbst wenn die Lagerstätten (saline Aquifere) dicht und sicher sein sollten (was niemand im Ernst für den benötigten Zeitraum voraussagen kann), stellen sie an sich wiederum eine begrenzte Ressource dar und stehen in Konkurrenz mit anderen Interessen: Für die Windenergie können die als Druckluftspeicher dienen, für Geothermie stellen sie bevorzugte Formationen dar, und, wer weiß: man könnte unglücklicherweise in späteren Zeiten noch darauf angewiesen sein, dem Kreislauf CO2 zu entziehen….und zu lagern

  3. Wolfgang Wedel sagt:

    Ich kann die Ausführungen von Tina Löffelsend nur bestätigen.
    CCS ist eindeutig eine Verhinderungsoption zur erforderlichen schnellen Energiewende hin zu 100% regenerativer Energieerzeugung. Dahinter stecken die gleichen Konzerne die uns erzählen,dass Atomenergie „Ökoenergie“ ist. Für mich haben diese Konzernlenker und die dazugehörigen Politiker jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

  4. Thekla Pleus sagt:

    Wenn wir das Beispiel Kohlekraftwerke nehmen, geht es ja nicht nur um CO2 wie wir ja alle wissen. ich finde es beängstigend, wenn die Probleme fast nur einzeln beleuchtet werden. Beim Kohlekraftwerk geht es ja um viele, viele Dinge, die in Kauf genommen werden müssen. Wenn es Alternativen zur Energieversorgung gibt, müssen diese erst mal völlig ausgeschöpft werden, natürlich auch Einsparung. Erst einmal weltweit gemeinsam „Müll“ vermeiden, auch da wo es uns weh tun könnte.
    Wie Sie sicher gemerkt haben, bin ich keine Fachfrau, aber ich kämpfe im Moment gegen den Bau eines kohlekraftwerkes in Dörpen/Emsland, da ich 3 Kinder mit Asthma habe und nicht einsehen kann, dass wir die Welt immer mehr belasten. Also erst Vermeidung und Verringerung.
    Mit Hoffnung und Energie für ein gutes Klima

  5. Thomas Dyhr sagt:

    @Thekla Pleus
    Ich wünsche Ihnen bei Ihrem Bemühen Alles Gute und viel Erfolg.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Dyhr

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