Sagen Sie Ihre Meinung!

Mit der Diskussion um das vorläufig gescheiterte CCS-Gesetz verbindet sich eine Vielzahl von Fragen: Wie können wir die notwendigen Klimaziele erreichen? Welche Rolle kann die CCS-Technologie bei der  Transformation hin zu einer CO2-freien Wirtschaftsweise spielen?

Kraftwerk Staudinger

Können wir mit dieser Technologie unsere Energieversorgung sichern und zugleich das Klima schützen? Oder spielt die CCS-Technologie lediglich die Rolle einer notwendigen Brückentechnologie, um langfristig unsere Energieversorgung durch Erneuerbare Energien zu sichern?

Birgt die Technologie zu viele Risiken bezüglich der Durchführung? Wenn überhaupt, wann kann CCS eingesetzt werden?

Sie sind herzlich eingeladen, diese und weitere Fragen mit uns und weiteren Experten hier an dieser Stelle zu diskutieren. Vom 14. bis 16. Juli können Sie Ihre Meinung äußern oder Fragen stellen. Am 17. Juli werden wir gemeinsam mit den Experten den Diskussionsverlauf zusammenfassen und abschließend kommentieren. Klicken Sie rein, wir freuen uns auf Sie!

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20 Responses to Sagen Sie Ihre Meinung!

  1. Arne sagt:

    Auf den ersten Blick scheint CCS ein technischer Glücksfall zu sein. Sauberer Strom aus Kohle – das klingt sehr schön.
    Leider lassen sich die Fakten inzwischen nicht mehr unter den Tisch kehren, wenn auch die Stromkonzerne und ihre Lobbyisten das anders sehen:

    Die Abscheidung von CO2 kostet Wirkungsgrad: die üblicherweise genannten Zahlen liegen zwischen 40 und 60% der Kraftwerksleistung für eine 95%ige Abscheidung. Da Kohlekraftwerke eh nur einen mittelmäßigen Wirkungsgrad haben, geht jede Menge Energie verloren.

    Die von RWE/DEA, Vattenfall und E.on ins Auge gefassten Lagerstätten sind sogenannte saline Aquifere, salzhaltige wasserführende Schichten in tieferen Bodenschichten. Deren Geochemie ist nur unzureichend erforscht, die existierenden Forschungsprojekte liefern kein klares Bild. Mehrfach wurde beobachtet, wie das eingepreßte CO2 sich im Untergrund äußerst aggressiv verhielt, und das Deckgestein teilweise auflöste. Im Falle der norwegischen Utsira-Formation sind inzwischen sogar Prozesswasserleckagen aufgetreten, ein Entweichen des verpreßten CO2 ist somit nicht auszuschließen.

    Dazu kommt, daß CO2 in Sprudelflaschen zwar völlig ungefährlich, aber bei erhöhten Konzentrationen (>8%) zu Bewußtlosigkeit und Exitus führen kann. Die 124mg CO2 in einer handelsüblichen Sprudelflasche mit den einzulagernden Millionen Tonnen CO2 zu vergleichen deutet auf Bildungslücken bei Frau Merkel hin.
    Sollte eine größere Menge CO2 austreten, wäre eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung möglich (je nach Standort, siehe auch Fehlfunktion einer CO2-Löschanlage in Mönchengladbach).

    Die Gebiete Deutschlands, in denen saline Aquifere vorhanden sind, sind unglücklicherweise auch noch großteils deckungsgleich mit den von der Bundesanstalt für Geowissenschaften erstellten geothermischen Nutzungsgebieten.
    Ausserdem hofft man, regenerative Energien per Druckluftspeicherung in ebendiesen Aquiferen speichern zu können.

    Sollte die Einlagerung von CO2 aus Kohle-, womöglich noch Braunkohleverstromung hier erfolgen, würde man diese alternativen Nutzungsmöglichkeiten verspielen.

    Zu guter Letzt verhindert gerade die angeblich ökologische Nutzung der Kohle zur Energieerzeugung den notwendigen Umstieg in die regenerative Energieerzeugung, die wegen ihrer hohen Dezentralisierung den zentralistischen Energiekonzernen natürlich nicht passt.

    Wahrscheinlich müssen wir in einigen Jahrzehnten sogar CO2 aus der Atmosphäre abscheiden um den Treibhauseffekt zu kontrollieren. Wenn dann die möglichen Lagerstätten mit CO2 aus der Kohleverstromung gefüllt sind, stehen wir ohne diese Rettungsmöglichkeit da.

    CCS ist also momentan nur ein Feigenblättchen der Stromkonzerne, kann aber in Zukunft (über)lebenswichtig werden. Die privatwirtschaftliche Nutzung muß unbedingt verhindert werden.

    Arne

    • Uli Friese sagt:

      Eine Technologie einzuführen, deren Risiken nur unzureichend bekannt sind, wo eine sinnvolle Abschätzung der Risiken nicht einmal möglich ist (UN-Klimakonferenz Posen 2008, Klimaverhandlungen Bonn Anfang Juni) ist schlichtweg als kriminell zu bezeichnen (wie soll man es denn sonst nennen). Das ganze noch unter bevölkertem Gebiet zu testen ist zynisch.
      So zu handeln ist ein Angriff auf die Grundrechte (Menschenwürde, Art 1, GG) und jede christliche Ethik.
      Davon zeugt auch die Hektik in Politik und Konzernen. Auch die Tatsache, dass man versucht hat CCS an der Bevölkerung vorbei zu etablieren ist Bestätigung dieser Einschätzung.
      Einseitige – halbblinde – Interpretationen der Studien und Gutachten zu CCS (Sachverständigenrat, Wiss. Beirat, BMU-Studie) haben gezeigt, dass die Konzerne exzellente Lobbyarbeit geleistet haben und die Politik diesem Drängen nahezu hilflos ausgesetzt ist.

      Die Renaissance der Kohlekraftwerke tragen dem Klimawandel nicht Rechnung, auch nicht mit CCS. Es gibt bereits heute fossile Techniken, die ähnlich CO2-arm sind, wie Kohle mit CCS. Braunkohle insbesondere ist die umweltschädigendste Energiegewinnung, CCS ändert daran nur wenig, zumal viel mehr Kohle eingesetzt werden muss für CCS. Die Praxis des Verschenkens von CO2-Zertifikaten (und für Braunkohle deutlich mehr Zertifikate als für Steinkohle), bedingt dass ein Konzern umso mehr verdient, je schmutziger sein Kraftwerk ist. Was hat diese Praxis mit Klimaschutz zu tun?

      Schon der Transport ist im wesentlichen ungeklärt und ein hoher Risikofaktor. Die von den Konzernen gern zitierte US-amerikanische CO2-Pipeline ist alles andere als ein positives Beispiel. Sie strotzt geradezu von Korrosion und Leckagen (trotz 20 mm Wandungsstärke).

      Die Lagerung ist nur modellmäßig erfasst. Diese Modelle sind reine Theorie und dürfen nicht mit der Praxis verwechselt werden (siehe Rogers-Bericht zum Challenger-Unglück). Im UTSIRA-Gebiet gab es bereits drei Leckagen, die die Unsinnigkeit solcher Modelle belegen.
      Die Expertise der Industrie sowie der Fachbehörden (und hier insbesondere der Landesbergämter) ist einäugig und völlig unzuverlässig, wie das Beispiel ASSE II und die Versalzung des Trinkwassers in Thüringen (Kali-Industrie, Landesbergamt Gera) deutlich belegen. Ein Vertrauen in die Konzerne ist völlige Blindheit, ein Vertrauen in die Behörden zumindest kindisch.

      Wenn CCS, dann nur als Forschung – völlig (!) neutral, total unabhängig von Industrie, Politik und Behörden – ergebnisoffen in der Forschung selbst und in der abschließenden breiten öffentlichen Diskussion.

      CCS in der jüngst forcierten Form behindert die Fortentwicklung Regenerativer Energien. Argumente, man käme vorerst nicht ohne Atom und Kohle aus sind ausgemachter Unsinn:
      Take a look…
      Solar – The U.S. Department of Energy (DOE) has indicated that enough electric power for the entire country could be generated by covering about 9% of Nevada with solar power systems. This is a plot of land roughly 92 miles by 92 miles.
      Wind – The DOE has also stated that wind could provide 5,800 quads of energy each year. That’s about 15 times the current global energy demand.
      Geothermal – According to M.I.T., there are over 100 million quads of accessible geothermal energy worldwide. The world only consumes about 400 quads.
      Marine Energy – The Electric Power Research Institute has estimated the wave energy along the U.S. coastline at 2,100 Twh per year. That’s half the total U.S. consumption of electricity.
      Hybrids – According to the Institute for the Analysis of Global Security, if all cars on the road were hybrids, and half were Plug-In Hybrid Electric Vehicles by 2025 – U.S. imports would be reduced by 8 million barrels per day. That’s about 80% of our daily consumption!

      Von der Politik ist zu fordern, dieses – ohne das Schielen nach Milliarden € – offen und ehrlich zu regeln. Von „irrationalen Befürchtungen“ zu sprechen, wie der Wahlkampfleiter der CDU in Schleswig-Holstein es in der Kölner Rundschau getan hat, lässt sich nur noch vergleichen mit der Rechtfertigung der Datensammelwut der Politik und ihrer Behörden, die meinen, wenn man nichts zu verbergen habe, könne man ja ruhig auf einige Grundrechte verzichten.

      • germanwatch sagt:

        @Uli Friese
        Die Lobby der Stromkonzerne wird nach meiner Auffassung in den Kommentaren überschätzt. So ist ihr doch nicht gelungen, entgegen ihren Interessen und entgegen den vorher proklamierten Zielen der beiden Koalitionsfraktionen, dass das CCS-Gesetz – obwohl mit großer Vehemenz vorangetrieben – verabschiedet wurde. Das CCS-Gesetz in Deutschland ist in dieser Wahlperiode gescheitert. Mit der CCS-Thematik intensiv befasste Experten wie der Klimaökonom Ottmar Edenhofer (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) bewerten es, um einen die christliche Ethik erwähnenden Kommentar zu spiegeln, als ‚unverantwortlich‘, die Option CCS in Deutschland vorschnell auszuschließen (vgl. DER SPIEGEL 27/2009 vom 29.06.2009, Seite 109, Interview von Christian Schwägerl mit Ottmar Edenhofer)

        Manfred Treber, CCS-Experte bei Germanwatch

  2. Stefan Weiß sagt:

    Ich bin als Mitglied des Kraftwerkforums am eon Standort Staudinger mit der Diskussion befaßt und habe in der politischen Diskussion um den Neubau eines 1100MW Steinkohle Blocks 6 die Erfahrung gemacht, dass die CCS Diskussion (Kommunal)politiker auf die Seite der Befürworter des Neubaus gezogen hat. Ich halte das für verhängnisvoll. EON hat an dem bestehenden Block 5 eine Demonstrationsanlage in Betrieb. Diese erforscht die Abscheidung von CO2 am Kraftwerk. Die Existenz dieser Anlage in Verbindung mit Versprechungen auf eine großtechnische Einführung an Block 6 in wenigen Jahren läßt Politiker den Block 6 befürworten, obwohl an diesem Standort keinerlei unterirdische Lagerstätten vorhanden sind. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die CCS Technologie hier zum Tragen kommen kann. Diese Erfahrung wiegt für mich deutlich schwerer als R.Baakes Argumente für einen Export der CCS Technik oder der Instalierung von CO2 Senken.

    • germanwatch sagt:

      @Stefan Weiß:
      Der Einwand, dass bei den geplanten neuen Kohlekraftwerken der Hinweis auf eine spätere Nutzung von CCS oft nur als Argument genutzt wird, um jetzt Kraftwerke ohne CCS bauen zu können, ist sehr Ernst zu nehmen. Wer so agiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn ein erhebliches Akzeptanzproblem in der Bevölkerung entsteht.

      Solange noch nicht anhand von CCS-Demonstrationskraftwerken gezeigt werden kann, dass CCS funktioniert, sollte es ein Moratorium für den Bau neuer konventioneller Kohlekraftwerke geben. Eine Stromlücke droht nicht – aufgrund der Wirtschaftskrise weniger denn je. Es sollten eher – soweit Erneuerbare Energien und Maßnahmen der Energieeffizienz nicht ausreichen – notfalls alte Kohlekraftwerke für eine weitere Dekade modernisiert und effizienter umgebaut werden, anstatt jetzt Kohlekraftwerke ohne CCS neu zu bauen, die dann 40-50 Jahre laufen und dadurch die notwendigen Klimaschutzziele bis 2050 verbauen.

      Manfred Treber, CCS-Experte bei Germanwatch

  3. Dr. Larissa Dloczik sagt:

    Liebe Leser,
    kehren Sie bei sich zuhause auch den Dreck unter den Teppich?

    Dieses Kuscheln mit der CCS riecht doch nach Lobbykratie, nach einer Kampagne von Stromkonzernen und Großindustrie, die mit CCS jahrzehntelang weiter an ihren zentralisierten Strukturen festhalten könnten.
    Die immensen Mittel, die dies binden würden, wären in einen offensiven Ausbau der regenerativen Energien samt Umbau des Stromnetze, in Einsparung und Effizienz besser investiert. Dann wäre das Problem vom Tisch, statt unter den Teppich gekehrt.

    Auch aus der Atomkraft wäre auszusteigen. Sie ist derzeit für die weltweite Energieversorgung unbedeutend und ihr Brennstoff ist begrenzt, kriegsgefährlich und bereits in seiner Gewinnung hochgradig umweltschädlich.
    Aber die Gegenüberstellung CCS gegen Atomkraft hinkt:
    Atomkraft hinterlässt ihren hochgefährlichen Müll in vergleichsweise geringen Mengen. Bei CCS würden Riesenmengen CO2 verbuddelt, und weiß der Kuckuck, was damit wird. Sollte es irgendwo konzentriert austreten, kann es Menschen und Tiere töten. Sollte es langsam herauslecken, erhitzt es das Klima.

    Derweil harrt z.B. das DESERTEC-Projekt http://www.desertec.org/de auf die richtige politische Weichenstellung. Hier sollen große Energiemengen aus solarthermischen Kraftwerken bereitgestellt werden, mit RWE und Siemens dabei (siehe dort > Pläne für Desertec Industrial Initiative).
    Im Übrigen wurde in den letzten Jahren erreicht, dass schon über 1/7 des Stromes in Deutschland regenerativ ist, von ehemals ca. 1/20 aus Wasserkraft. 2030 die Hälfte des Stromes regenerativ zu erzeugen, wäre da kein unrealistisches Ziel.

    Was den Kraftstoff-Sektor angeht, so wären primär die Autokonzerne zu verpflichten, leichtere sparsamere Wagen zu bauen (2-Liter-Autos statt Panzer fahren: Abrüstung auf der Straße). Auch Flugbenzin wäre international zu besteuern.

    Wir brauchen regenerative Energieträger, Effizienz und Suffizienz = Genügsamkeit. Lebten wir vor 30 Jahren, als unser Energieverbrauch noch deutlich geringer war, denn so viel schlechter?
    Last not least, fleischarme oder besser fleischlose Ernährung täte nicht nur den Tieren und der Gesundheit, sondern auch dem Klima gut!

    Dr. Larissa Dloczik,
    Ökologisch-Demokratische Partei (ödp), LV Berlin

    • germanwatch sagt:

      @Larissa Dloczik:
      Die Frage ist, ob mit der Behauptung, die CO2-Speicherung verhindere Investitionen in Öko-Energien, nicht ein künstlicher Widerspruch aufgebaut wird. Müssen wir angesichts des enormen Zeit- und Handlungsdrucks nicht gleichzeitig erneuerbare Energien ausbauen und CO2-Speicher erforschen?

      Manfred Treber, CCS-Experte bei Germanwatch

  4. Peter sagt:

    Nun denn, in meinen Augen werden in der Diskussion und dem vorantreiben des Themas verschiende Aspekte zu einem unguten Ganzen vermischt.

    Da wird uns die CSS Technik als Heilsbringer im Klmaschutz verkauft, die motivation warum dies aber sofort und hier in Detuschland gestartet werden soll nicht oder nur verkürzt benannt.

    Neben auch vorhandenen knallharten wirtschaftlichen Interessen der Stromkonzerne, geht es im Kern darum > mit Blick auf den gigantischen Ausbau von Kohlekraftwerken in China und anderer Stelle < der detuschen Wirtschaft die Möglichkiet zu geben bei der Entwicklung der CSS Technologie die Nase vorne zu haben und damit entsprechende zukünftige Wirtschaftskraft zu sichern.
    Richtig ist wohl das wir global mit den genannten Kraftwerken ein großes Problem aufhäufen.
    Jedoch nicht verständlich ist. Wieso mit dem Argument der notwendigen Forschung und Markreifentwicklung dies in Deutschland nicht im entsprechenden Forschungsmaßstab sondern großtechnisch im Anwendungsmaßstab eingeführt werden soll.
    Da hinkt die Argumentation. Geradeaus gesprochen scheint mir geht es schlicht darum, deutschen Unternehmen auf deutschem (gesicherten) Boden die Möglichket zu bieten im grotechnischen Maßstab die Machbarkeit der CSS Technologie beweisen zu können. das ganze einzig mit dem Ziel dies dann zum Wohle der Wirtschaft exportieren zu können.
    D.h. dann in Kurzform alle bekannten und genannten Gefahren und Risiken werden auf dem Altar der Wirtschaftsförderung geopfert. Und gelte es die Zukunft unserer Kinder.

    Mir scheint, das die Industrieländer die bitterste Pille erst noch schlucken müssen.
    Meinen wir es wirklich ernst mit den 2 Grad Ziel, so werden wir uns recht bald zu der Erkenntnis durchringen müssen, dass es nicht funktioniert diese Klima-Ziele erreichen zu wollen indem wir sie an erster Stelle dort voranbringen wo wir Klimaschutz und Wirtschaftswachstum miteinander verbinden könnnen.
    Die Idee ist ungemein verlockend, aber die Rechnung kann – das liegt im Wettbewerbs- und im Wachstumssystem – nur für wenige aufgehen. Das aber heißt nichts anders, als das dieser Weg im globalen Maßstab eine Sackgasse ist.

  5. Alois Mair sagt:

    CCS kommt aus der Erdölindustrie und dient unter anderem dazu, Öl aus Sandstein zu pressen. Die Lobby hat sicher „gute“ Arbeit geleistet. Dicht sind die CCS Lager aber wohl kaum, denn eine Garantie von 30 Jahren kann nicht ausreichen um das Klimaproblem zu lösen wenn gleichzeitig für festen Atommüll kein dichtes Lager möglich zu sein scheint ohne Lecks. Der einzige sichere Weg um Kohlenstoff aus der Atmosphäre heraus zu halten ist es, Kohlenstoff als Feststoff in der Erde zu belassen.

    Statt jede Woche ein neues Kohlekraftwerk zu genehmigen udn zu bauen, könnte unter anderem jeden Tag ein Windpark gebaut werden. Was spricht dagegen, durch Massenproduktion auch die Kosten zu senken. Das soll möglich sein, denn wenn man die Menge an neu gebauten Autos betrachtet und die neuen Verkehrswege.

    Um die enorme Produktionskapazität und Akzeptanz ähnlich wie im Automobil und Strassenbau zu erreichen, welche Voraussetzungen sind nötig?

  6. SLingner sagt:

    CCS scheint auf den ersten Blick eine interessante Option zu sein. Probleme der geminderten Effizenz (Energiebilanz, Kosten) klangen aber bereits in der Diskussion an. Ein Teil des zu deponierenden CO2 würde damit allein durch die Abscheidung anfallen. Und dies angesichts konkurrierender Nutzungsansprüche an begrenztem Speicherraum. Verschärfend kommt hinzu, dass die Gesamtkapazität „sicherer“ Speicher (erschöpfte Öl- und Gasfelder) relativ klein ist, weswegen CCS entweder nur als „Brückentechnologie“ in Frage käme oder langfristig auch ergiebigere, aber auch unsichere Speicheroptionen mit einbeziehen müsste. Angesichts des CCS-Ziels erscheint Letzteres kaum sinnvoll. Bliebe CCS als Brückentechnologie. Ob diese aber die erheblichen Investitionen in neue Infrastrukturen (CO2-Pipelines etc.) rechtfertigt, ist fraglich bzw. bliebe zu erforschen. Mein Fazit: Skepsis – zumindest solange umfassende gesamtwirtschaftliche und Risikoabschätzungen ausstehen. Erfahrungen mit Pilotanlagen können helfen, solange damit keine Vorentscheidungen getroffen werden.

  7. Rene sagt:

    CCS ist eine Technologie, welche im Gegensatz zu den Verfahren der erneuerbaren Energien noch nicht im Großmaßstab funktioniert. Parallel werden unabhängig davon, ob CCS in diesem Maßstab jemals funktionieren wird, erneuerbare Energien bis 2020 kostengünstiger angeboten werden als die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid jemals sein werden.

    CCS ist ein Verfahren, um zentrale Strukturen, konventionelle EVUs, nicht zukunftsfähiges Wachstum sowie Energieverschwendung länger am Leben halten zu können. Des Weiteren sind die Gefahren der Technologie bei der Endlagerung mit den Erkenntnissen von radioaktiven Mülls vergleichbar.

  8. wafi sagt:

    es sind schon die meisten Argumente gegen CCS gefallen. Eins fehlt mir noch. Die Kohlekraftwerke, die jetzt ausgebaut/neugebaut werden sollen, dienen alle der Grundlastsicherung. Das Problem dabei ist simpel, regenerative Energien i.e. WKA stehen zumeist nicht konsequent in voller Leistung zu Verfügung. Um diese Energien besser ins Leistungsnetz zu bringen und den Anteil wesentlich zu erhöhen, brauchte es Kraftwerke, die schnell und in flexibler Höhe zuschaltbar sind. Die Grundlast würde somit deutlich verkleinert. Schnell zuschaltbare Kraftwerke sind naturgemäß z.B. Gaskraftwerke, die dezentral, als Kraft-Wärmekopplung evt. mit Kälteproduktion, sehr sinnvoll eingesetzt werden könnten.
    Dinosaurier zu schaffen, die unflexibel sind, ist dagegen ziemlich unsinnig. Konsequenz, keine neuen grundlastkraftwerke, sogar eine Verminderung von grundlastkraftwerken durch Ersatz von dezentralen kleineren Kraftwerken ist notwendig. Der run auf weitere Kohlekraftwerke, insbesondere Braunkohle, ist einfach nur so zu erklären, daß RWE z.B. eben Eigentümer des Kohletagebergbau`s ist und weiterhin dran profitieren will. CCS ist dabei Augenwischerei und bringt rein garnichts.

  9. CSS ist keine wirklich originelle Erfindung, sondern eine weitere Selbstbereicherungsmethode der Strommonopolisten, für die der Klimaschutz als Alibi hinhalten soll.
    Die sog. Smart Grids oder Super Smart Grids erweisen sich immer mehr als Sandkastenspiele ohne wirklich gesellschaftlich relevante oder direkt implementierbare Verfahren.
    Begründung:
    Vor einer Generation von Umweltschutzmassnahmen war ich selber damals noch als Student des Organischen Landbaus als Helfer (für 15 DM Stundenlohn) in den Braunkohlemailern von Gartzweiler (Rheinbraun/RWE).
    Dort haben wir gigantische PVC-Rohre (aus einer Siegburger Firma, bei der ich auch Wärmetauscher gefertigt habe) verlegt. Damit wurde Kalkmilch verrieselt, um den Schwefel aus den Kraftwerks-abgasen zu filtern. Resultat: Gips. Sollte für Rigips im Bau verwendet werden.
    Lohn war gering, Kosten gigantisch, Garzweiler ein ständiger Streitpunkt und wachsender Kostenfaktor für den Bundes- bzw Landeshaushalt. Rheinbraun und RWE hatten steigende Gewinne. Der Waldschadensbericht zeigt, dass sich nichts zum guten dadurch gebessert hat, im Gegenteil.
    Jetzt das Ausfiltern von CO²als weiteres Milliardenprojekt aufs Jahr 2020 zu verschieben ist der reine Hohn.

    Alternative:
    Ich habe das Bio-Siegel miterarbeitet. Als Referenzsystem ist dafür die Hügelbeetkultur ausgiebig untersucht worden. Die runde Variante davon wurde zum Patent weiterentwicklet und kann als SOFT SMART GRID für den Klimaschutz eingesetzt werden CDM-Projects. Klimasekretariat der UN FCCC ist BONN.
    Das ganze ist vom Steinbeiss-Institut für Wissenschafts- und Technologietransfer evaluiert und vom RKW BaWue (Zentrale Köln)gecoacht worden.
    Damit können weltweit Cer´s erzeugt werden (Klimaschutzzertifikate), wie sie seinerzeit undemokratisch durch Herrn Prof. Biedenkopf propagiert wurde mitsamt schlagender Verbindung, die jegliche Diskussion unterbunden hat, indem sie Saalordertruppen im Hauptgebäude der Uni Bonn (Regina Pacis-Weg) an den Mikros positionierte. Sinn war es, den ernsthaften Klimaschutz durch Ablass-Briefe zu ersetzen. Biedenkopf hat sich dann als CDU-„König Kurt“ an der Demontage in Sachsen bereichert.

    Exkurs:
    Jetzt gibt es Patentlösungen zu Clean Developement Management (auch von science4Life evaluiert), jetzt kommen die Local Player mit Utopien (Münchner Rück mit 400 Mrd. für Solarenergie in der Sahara, über nur 2(!) Strom- Leitungen, dann VW mit 200 Mrd. für Biomasse-Fuel.
    Dabei steht die Münchner Rück ebenso wie VW so sehr im Minus, dass jetzt sogar die Erdölscheichs aus KATAR mit 7 Mrd. bei Porsche einsteigen sollen.

    Alternativen:
    Und dann das CO²-Gas, dass im übrigen in ISRAEL bereits sehr erfolgreich biologisch gebunden wird in Großanlagen mit Blau-Algenteichen, mit denen dann auch wieder Bio-sprit entsteht!

    Fazit:
    Merkt denn noch jemand mit welch falschen Strategien und Taktiken gespielt wird? So kann weder ernsthaft verhandelt noch seriöse Lösungen, die jetzt schon vorhanden sind gefördert werden.

    Also: Resultat und Antwort: CSS Nein.Gar Nicht. Nie!

  10. Will Frank sagt:

    Die Diskussion zeigt: Es gibt eine Fülle von Befürchtungen und noch offener Fragen, aber auch Hoffnungen und Erwartungen, die an CCS geknüpft werden. Selbst die Umweltorganisationen scheinen sich hier nicht einig in der Bewertung.
    Wäre es da nicht gut, ein unabhängiges Gremium mit einer zusammenfassenden Bewertung bisheriger Erkenntnisse unter Einbeziehung möglicher Alternativen zu bitten?
    Mir scheint, ganz ohne „Risiken und Nebenwirkungen“ wird keine Lösung zu haben sein. Immer wird es Zielkonflikte mit der Notwendigkeit einer Abwägung geben. Wichtig ist daher, diese Abwägung transparent und nach vollziehbar zu machen.
    Und „aus dem Bauch“ möchte ich sagen, die CO2 Lagerung hat bei aller möglichen Problematik doch eine andere Qualität als die irreale „Entsorgung“ von Atommüll über tausende von Jahren. Daher lieber CCS als radioaktiv, wenn das die Alternative sein sollte.
    Will Frank

  11. Mike Kess sagt:

    Zukunftstechnologie CCS? – Droht uns wieder eine „Transrapidisierung“

    Kein Energie-Szenario kommt ohne den Einsatz von CCS aus. Daher sollte diese Technologie hier in Deutschland respektive in Europa entwickelt und erforscht werden. China brauche doch diese Technik, weil man dort so stark aus Kohle setzt. So schallt es aus allen Rohren. Die EU sponsert dafür extra ca. 9 Mrd. Euro und unterstützt heimische Energiekonzerne wie Vattenfall, E.on und andere.

    Hat sich aber jemand schon mal gefragt ob uns die Chinesen die Technologie überhaupt abkaufen wollen? Wohl eher nicht, denn im Land der Mitte hat man das Problem mit den überbordenden CO2-Emissionen anscheinend schon erkannt und entwickelt dort eigene CCS-Kraftwerke.

    So begann man erst vor ein paar Tagen in Tianjin, 150 Kilometer südöstlich von Peking, mit dem Bau eines ersten Demonstrationskraftwerkes. Die erste Ausbaustufe des Kraftwerks wird voraussichtlich 2011 ans Netz gehen und 250 Megawatt Strom liefern. Bis 2016 soll es dann in drei Stufen auf 650 Megawatt ausgebaut werden.
    Mehr dazu siehe hier: http://is.gd/1yMPf

    Der selbsternannte Vorreiter in Sachen CCS in Deutschland Vattenfall wird zu diesem Zeitpunkt grade mal 300 MW mit CCS in Betrieb haben.

    Und bei uns heißt es, dass man erst im Jahr 2020 mit eine bereit sei, CCS im großtechnischen Maße einzusetzen. Upps. Ob da wohl die Chinesen etwas schneller sein werden?

    Überraschenderweise hörte ich bei einem Fachgespräch zum Thema CCS im Bundestag vor ein paar Jahren, dass China garnicht soviel Kapazitäten hat um das CO2 zu lagern. Hauptsächlich hat man dort saline Aquifere im Osten des Landes. Die kann ich aber leider nicht durch einen ernsthaft qualifizierten Link. Da einzige was ich auf die Schnelle gefunden habe ist eine Präsentation von PetrolChina. Dort geht man von einer Kapazität von 400 Jahren aus. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es sich dabei um einen „interessierten Akteur“ handelt und nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung.
    Download hier: http://is.gd/1yOfD

    Daher kann ich es nur begrüßen, wenn wir als Bundesrepublik Deutschland 200.000 Euro ausgeben, um genau die Potentiale und Lagerstätten in China zu untersuchen. So etwas ist für mich eine ernste Unterstützung.
    Sie hier: http://is.gd/1yOmB

    Sollte es sich bewahrheiten, dass China nicht so große Potentiale an Endlagerstättungen haben sollte, ist das ganze CCS-Gerede eh Schnee von gestern und man wird dort sich auch von der Kohle verabschieden. Und wo wird man wohl moderne Umwelttechnologie einkaufen? Beim Marktführer, und der heißt in vielen Bereichen Deutschland…

    Sollten wir denn überhaupt CCS in Deutschland einsetzen? Ich denke nicht. OK, man könnte es als CO2-Absenke für Biomasse einsetzen aber die Technik ich ist meiner Meinung nach nicht das Problem, sondern der Transport und Lagerung. In einen dicht-besiedelten und durchaus demokratischen Land wie Deutschland kommt es schon jetzt zu heftigen Protesten gegen die Endlagerung. Und man hat noch nicht einmal die Pipelines durch NRW und Niedersachsen geplant, geschweige denn den Leuten erklärt, was da durch ihr Land strömen soll. Die massiven Proteste gegen die CO-Pipeline von Bayer in NRW dürften da nur ein erster Vorgeschmack sein. Wie Chinesen mit sowas umgehen werden, kann man sich denken…

    Doch nicht nur eine ablehnende Haltung der Bevölkerung dürfte ein Problem für Deutschland darstellen. Auch die Kosten: So hat das Büro für Technikfolgenabschätzung ermittelt: „Ein Vergleich der Stromgestehungskosten von CCS-Kraftwerken mit anderen CO2-armen, v. a. regenerativen, Erzeugungsoptionen zeigt, dass im Jahr 2020 die meisten der betrachteten regenerativen Technologien ein ähnliches Kostenniveau erreicht haben könnten, wie es für CCS-Kraftwerke ermittelt wurde“.
    Download hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/098/1609896.pdf

    So war es doch auch seinerzeit beim Transrapid: Hier für viel (Steuer-)Geld entwickelt. Und am Ende wollte das Ding niemand, weil es sich einfach nicht rechnet. Währenddessen setzte Frankreich auf supermoderne Hochgeschwindigkeitszüge und verkauft diese jetzt in die ganze Welt.

    Meiner Meinung nach sollten wir uns beim Thema CCS in Deutschland nicht allzu stark festlegen. Besser wäre es alle Anstrengungen in das vielfältige Thema erneuerbare Energie und Energieeffizienz stecken. Schon heute zeigt sich klar, dass Deutschland damit eine zukunftsfähige Industrie aufbaut, deren Produkte in der ganzen Welt begehrt sind.

    Wenn sich die Technik rechnen im Rahmen eines Emissionshandels rechnen sollte, können die Konzerne sie gerne einsetzen und versuchen Pipelines durch Europa zu ziehen – Aber bitte nicht mit Steuergeldern, wie schon beim Irrweg Atomkraft.
    Ein steuerlich subventionierten CCS-Technik ist nicht anderes als eine Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke. Und warum sollte man heute in „Brückentechnologien“ investieren anstatt lieber gleich richtig.

    100 Prozent EE rules!!

    PS: Und dann können wir den Chinesen auch etwas bieten, was man dort wirklich braucht: effiziente und hochqualitative Technologien für die Zukunft.

    Und dann könnte es in Zukunft hoffentlich öfters heißen: „Siemens baut Windenergieanlagen in China. Die dänischen Standorte Brande und Aalborg wurden vergrößert sowie neue Forschungs- und Entwicklungszentren in Deutschland, den Niederlanden, in Großbritannien, sowie in den USA und Dänemark gegründet. Die Zahl der Mitarbeiter im Windgeschäft von Siemens ist von 800 Mitarbeitern im Jahr 2004 auf heute über 5.500 gestiegen.“
    Mehr dazu hier: http://is.gd/1yQ15

    • germanwatch sagt:

      @ Mike Kess

      Vielen Dank für diese durchdachte Argumentation. Zum einen stimmt es natürlich, dass China CCS selbst entwickelt. Zu diesem Thema hat Germanwatch eine Studie in Auftrag gegeben, um auch der Frage nachzugehen, welche Möglichkeiten der CO2-Lagerung in China gegeben sind.

      Allerdings soll hier festgestellt werden, dass sich die CCS-Aktivitäten in China technologisch von den drei möglichen CO2-Abscheidemöglichkeiten auf die sogenannte Pre-Combustion beschränken (das sind Kraftwerke mit integrierter Kohlevergasung; also vor dem Verbrennungsprozess). Das geht nur bei neuen Kraftwerken, diese Technik ist für die Nachrüstung von bestehenden Kohlekraftwerken (mit sogenannter Post-Combustion-Technologie) nicht geeignet. Hier würde es eigentlich der sogenannten Post-Combustions-Technologie bedürfen (also Abtrennung nach dem Verbrennungsprozess)

      Aber es gibt derzeit bereits derart viele neue Kohlekraftwerke in China, die vor Ende ihrer Nutzungszeit mit CCS nachgerüstet werden müssten (oder vorzeitig verschrottet, was eine Kapitalvernichtung großen Stils wäre), um in eine Entwicklung zu münden, die vereinbar ist mit dem Erreichen des zwei-Grad-Ziels. Deshalb ist die in Deutschland derzeit entwickelte Post-Combustion Technologie auch für China von Bedeutung.

      Bezüglich der Anwendung von CCS in Deutschland gibt es auch noch andere Industriezweige, wie zum Beispiel die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie, für die diese Technologie bedeutsam werden könnte. Darauf wird morgen auch noch mal von unseren dritten Gastkommentator Dr. Felix Matthes (Öko-Institut) eingegangen werden.

      Manfred Treber

  12. Maria sagt:

    CCS kostet zusätzlich Energie und Geld.
    Man sollte die Probleme doch bei der Wurzel angehen und nicht neue Experimente starten, deren Ausgang wieder ungewiss ist.
    dh Geld für echten Klimaschutz und nicht für CCS

    Für mich ist es unverständlich wie man CCS als Lösung empfinden kann.

    • Uli Friese sagt:

      Ottmar Edenhofer hier als Beleg für die Notwendigkeit von CCS anzuführen ist schwer verständlich. Seine Modelle werden zwar viel zitiert, insbesondere von den Konzernen, aber es sind eben nur Modelle. „Modelle mit der Wirklichkeit zu verwechseln ist ein fataler wissenschaftlicher Irrtum“ (so Richard Feynman im Roger-Bericht zur Challenger-Katastrophe). Seine Modelle sind daher – zu recht – in der Fachwelt höchst umstritten. Und schließlich geben die drei Leckagen im UTSIRA-Gebiet den Beweis dafür, dass Skepsis angebracht ist.Mit diesem Hintergrund und der Vehrmenz, mit der Edenhofer für CCS eintritt macht Ottmar Edenhofer für mich indiskutabel.

  13. D. Grausdies sagt:

    Die Notwendigkeit des Handelns und das Ziel einer Beschränkung der globalen Erderwärmung auf max. 2 Grad will ich gar nicht in Zweifel ziehen. Aus der Diskussion der CCS-Technologie ergeben sich für mich aber mehr Fragen als Antworten. Als Entscheidungsgrundlage stehen für mich als „Normalbürger“ einige Fakten/Annahmen im Vordergrund, die zusammengefasst so aussehen:
    • Weder die Technik erprobt noch die Lagerstätten für die Speicherung selbst sind erhoben und bewertet; eine umfassende Gefahren- und Technikfolgenabschätzung steht noch aus
    • Vor etwa 2020 sind keine reifen Demonstrationsanlagen, die eine Serienreife dieser sog. „Brückentechnologie“ zeigen, zu erwarten
    • Vermutlich gibt es keine umfassende Aufstellung des notwendigen Kapitaleinsatzes für den Bau der Anlagen (keine Einzelprojekte, sondern das Gesamtvolumen)
    • Sowohl Forschung wie auch infrastrukturelle Maßnahmen für Transport, Speicherung, Monitoring der Speicher hinsichtlich etwaiger Leckagen werden – wenn überhaupt – nur zu einem geringen Teil von der Energieindustrie getragen werden, d.h., die öffentliche Hand, also wir Bürger und Bürgerinnen kommen dafür auf
    • Die Technik wird erst in 15 – 20 Jahren z.B. Chinesische Kraftwerke „entschärfen“ können – dann sind dort und anderswo bereits so viele Kraftwerke neu gebaut, dass das 2-Grad-Ziel vermutlich ohnehin nicht mehr erreicht werden kann
    • Unternehmen des Großanlagenbaus und die Energieversorge haben ein verständliches Interesse an derartigen Groß- Technik- und Versorgungstrukturen und der damit verbundenen politische-strategischen Machtposition
    • Soziale Kosten für die Sicherung der Anlagen gegen Gewalteinwirkung, Protest der Bevölkerung, Einbußen an Wirtschaftskraft der von der Speicherung betroffen Landstriche z.B. durch eine Beeinträchtigung des Tourismus sind nicht zu beziffern
    • Rechtliche und wirtschaftspolitische Steuerungselemente wie Zertifkatehandel haben bislang nicht die gewünschte Effizienz gezeigt (von einer Liberalisierung des Strommarktes gar nicht zu reden)
    • Die CCS-Technik wird einer dezentralen Stromversorgung entgegen wirken
    • Dr. Viebahn vom Wuppertal Institut hat keinen Beleg nennen können für eine CCS-Verwendung mit erfolgreicher Bilanz (vgl. Beitrag in diesem Forum)
    • Für Deutschland schlägt germanwatch ein Moratorium für den Bau neuer Kohlekraftwerke vor, solange die Technologie nicht bereit steht bzw. eingesetzt wird. Wenn es ohne neue Kraftwerke derart lange geht: Warum nicht die Forschung, Entwicklung und finanziellen Mittel dafür ebenso intensiv auf Alternativen richten?
    Auf dieser Basis soll die Entscheidung für diese Technologie und den hohen zu erwartenden Aufwand geschehen? Die von Dr. Viebahn angeregte „umfassende Technikbewertung“ muss ferner soziale Fragen berücksichtigen, sonst geht es zu wie beim Hype um die nachwachsenden Agrofuels: die Spekulation um Getreide verteuerte die Lebensmittel für etliche Teile der Weltbevölkerung und ökologische Folgen wurden zunächst in der Diskussion kaum wahrgenommen. Der Blick über den Tellerrand hätte die sich abzeichnenden Probleme sehr früh erkennen lassen. Zur Bewertung der Nachhaltigkeit einer Technik sind auch diese Aspekte einzubeziehen.
    Ich wünsche daher der Diskussion um CCS das Verlassen des „energiewissenschaftlichen“ Elfenbeinturms, damit auch energie-/machtpolitische und soziale Fragen angemessen berücksichtigt werden. Und dies ist nicht allein die Aufgabe der Energieversorger…

  14. Kurt Kress sagt:

    Wir haben nur noch wenig Zeit, um eine Klimakatastrophe abwenden zu können. Also sollten wir die schon entwickelten und erprobten CO2 freien Techniken zur Energieversorgung konsequent fördern und deren Anwendung auch in China, Indien, Afrika… politisch, technisch und finanziell unterstützen. Dazu gehören auch größere dezentral genutzte Anlagen wie Parabolrinnenkraftwerke im Sonnengürtel der Erde, die Energie vor Ort, also dort erzeugen, wo sie benötigt wird. Das Wissen um das hierbei schon Erreichte stimmt hoffnungsvoll. Man muss es sich nur auch aneignen. Dazu stehen uns z.B. die Daten des Statistischen Bundesamtes oder des BMU (AGEE-Stat) zur Verfügung. Sie zeigen, um ein Beispiel zu nennen, dass die Summe der Leistung dezentraler Anlagen, die nur mit erneuerbaren Energien betrieben werden, in Deutschland innerhalb von 6 Jahren um 16 571 MW zunahm. Diese Leistung entspricht etwa einer Leistung von 16 großen Kohlekraftwerken. In diesen 6 Jahren hätte man aber kein einziges Großkraftwerk fertig stellen können, da deren Planungs- und Bauzeiten den Zeitrahmen von 6 Jahre in der Regel überschreiten. Man erkennt an diesen Statistiken der letzten 15 Jahre, dass keine Energietechnik schneller zu realisieren und zu nutzen ist als der Bau dieser dezentralen Anlagen. Also sollten wir nicht mit derart zweifelhaften und völlig unausgereiften Techniken wie CCS Zeit und Geld vergeuden, sondern schon weltweit Bewährtes massiv unterstützen.

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