Rainer Baake (DUH): Antworten auf offene Fragen finden – Bietet CCS eine Lösung?

Um auch externe Experten zu Wort kommen zu lassen, haben wir Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V., darum gebeten, einen Gastkommentar zum Thema zu schreiben. Gerne stellen wir ihn an dieser Stelle ein, um einen ersten Impuls für die Diskussion zu liefern:

„Man muss die Augen schon bewusst schließen, um nicht zu sehen, vor welcher Herausforderung wir stehen: Wenn wir den kommenden Generationen auf unserem Planeten keine unbezahlbaren Lasten durch unterlassenen Klimaschutz aufbürden wollen, dann müssen die heutigen Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2050, also in nur vier Jahrzehnten, praktisch auf Null zurückfahren.
Wer vor diesem Hintergrund eine technische Option zur Vermeidung von CO2-Freisetzungen in die Atmosphäre ausschließen will, braucht dafür sehr gute Gründe.

Solche sehe ich z.B. bei der Nutzung der Atomkraft; sie schafft mehr Probleme als sie löst. Ob CCS einen Beitrag zum Klimaschutz liefern kann, ist derzeit offen, weil die Technologie noch nicht in großtechnischen Maßstab erprobt wurde und die ökologischen Risiken der Lagerung weitgehend unerforscht sind. Ohne Erforschung, Erkundung und Erprobung werden wir allerdings auch keine Antworten auf die offenen Fragen finden.

Wenn CCS sich als sicher und verantwortbar erweisen sollte, müssen wir entscheiden, für welche Emissionen wir die knappen Lagerstätten im Untergrund einsetzen wollen; sie stehen uns ja nur einmal zur Verfügung. Die Stromerzeugung können wir schrittweise auf Erneuerbare Energien umstellen; Vorrang sollten nicht vermeidbare Emissionen aus Industrieprozessen haben. Eine Option sind auch Emissionen aus der Nutzung von Biomasse – dann hätten wir eine echte Senke.“

Was denken Sie? Haben Sie Fragen? Diskutieren Sie mit!

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18 Responses to Rainer Baake (DUH): Antworten auf offene Fragen finden – Bietet CCS eine Lösung?

  1. Wonderer sagt:

    Für komplexe Systeme sind Fragen nach Einzelkomponenten wie „CCS Ja oder Nein?“, „Kohle Ja oder Nein?“ usw. wenig produktiv. Entscheidend ist, was ein System leisten soll (Energiedienstleistungen) und welcher Ressourcen-Mix (Effizienzsteigerung, Erneuerbare, Fossile, Atom) mit welchem Aufwand (monetäre + externe Kosten) und welchen Risiken (für wen?) wo verfügbar ist.

    Dann kann ich fragen: Ist jedes Gesamtsytem mit CCS besser als ohne? Oder gibt es zu CCS attraktivere Alternativen.

    Hier wiederum entscheidend ist, dass die Antworten derer, die bereits Kapital in das System investiert haben, getrennt betrachtet werden von den Antworten derer, die keine Kapitalverwertungsinteressen haben.

    Ein mögliches und aus meiner Sicht wahrscheinliches Ergebnis wäre dann, dass CCS dort sinvoll wird, wo es für industrielles oder Biomasse-CO2 keine höherwertige Nutzung der Speicherkapazitäten versperrt. Und zur Bewertung der Alternativen liefert der CO2-Preis aus des europäischen Handelssystem zumindest eine wichtige Orientierung.

    Trotz aller Schwierigkeiten ist diese Systemdiskussion zielführender als das Ja/Nein zu Komponenten. Darauf sollten gerade die „Experten“ immer weider hinweisen.
    (vgl. dazu Henrik Lund: Choice Awareness, forthcoming fall 2009)

  2. BR sagt:

    Ich habe dazu und zu jedweder anderen Diskussion in dieser Richtung eigentlich nur eine einzige Anmerkung: Seit Jahrzehnten beraubt sich die menschliche Rasse aus rein egoistischen sowie Gründen des individuellen Vergnügens ihrer Lebensgrundlagen. Auch jetzt ist keinerlei Erkenntnisprozess zu erkennen. Im Gegenteil: Das Vorhandensein eines menschengemachten Klimawandels (mit dem vollen Potenzial für eine auch kurzfristige Klimakatastrophe) wird zwar kaum noch geleugnet, aber ich kann stets nur eine „Gegenstrategie“ erkennen. Nachdem der Mensch das Klima jahrzehntelang aus den genannten primitiven Gründen aufgeheizt hat, will er es nun mithilfe technischer oder chemischer „Lösungen“ wieder abkühlen oder zumindest eine weitere Aufheizung verhindern. Dabei legt er sich darauf fest, keine Erwärmung um mehr als 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zuzulassen.

    Leute, läuft es da im Kopf noch richtig? Kann etwas, das sich Mensch schimpft, tatsächlich dermaßen geistig umnachtet sein? Was glauben wir eigentlich? Dass wir Gott sind und nach Belieben an irgendwelchen Schrauben herumdrehen können, um ein von uns gewünschtes „Idealklima“ zu „basteln“? Dass entgegen sämtlicher Erkenntnisse das Klimasystem der Erde in einfachster Weise linear verläuft, und deshalb jederzeit gesteuert werden kann?

    Ich finde dieses ganze Gelaber und Getue schlichtweg zum Kotzen. Meiner Meinung nach gäbe es -sofern, was ich befürchte, inzwischen manchmal aber auch ein klein wenig hoffe, überhaupt noch möglich- nur eine einzige, ganz und gar schlichte Lösung:

    VERZICHT!!!!!!!!!

    Gibt es hier oder sonstwo Individuen, die dieses Wort noch zu ihrem aktiven Wortschatz zählen, seine Bedeutung kennen und bereit sind, diese vorbehaltlos und selbstkritisch auf sich selbst anzuwenden??

    • germanwatch sagt:

      @BR:
      Gerade wir in den Industrieländern müssen angesichts unserer enormen Pro-Kopf-Emissionen tatsächlich unseren Lebensstil überdenken. Gegenüber Ländern wie China und Indien dürfte ein solcher Appell jedoch wenig fruchten, zumindest nicht innerhalb der nächsten 1-2 Jahrzehnte – zu groß ist da ihr (nachvollziehbarer) Anspruch auf Energieversorgung. Die enorme Anzahl an dort im Bau befindlichen und geplanten Kohlekraftwerke lässt das 2-Grad-Ziel in weite Ferne rücken, wenn eine Ausrüstung oder Nachrüstung mit CCS nicht gelingt. Und dass sie diese Kohlekraftwerke nach kurzer Laufzeit verschrotten werden, ist äußerst fraglich…

      Manfred Treber, CCS-Experte bei Germanwatch

      • BR sagt:

        ja, die Haltung der Schwellenländer ist durchaus nachvollziehbar. Aber sie ist im Grunde irrelevant. Denn der Natur ist es vollkommen egal, wer wann welchen Anteil an der Misere hat. Wer sich ein wenig eingehender mit der Klimageschichte beschäftigt hat, weiß, wie oft es in kürzesten Zeiträumen (teilweise nur wenige Jahre) zu extremsten Klimasprüngen gekommen ist.

        Ich persönlich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass ein solcher Sprung unmittelbar, also innerhalb der nächsten Jahre oder max. 2 Jahrzehnte bevorsteht. Ein Grund für diese Auffassung ist der bereits jetzt erreichte CO2-Anstieg, der höher ist als in früheren erdgeschichtlichen Zeiten, in denen wir bereits schon nicht mehr so hätten existieren könnten wie heute. Und was werden die Folgen sein? Die Lebensgrundlage von Milliarden Menschen wird quasi über Nacht verschwinden, Menschen in Ländern, deren Regierungen über Waffenpotenziale verfügen, mit denen das Leben auf der Erde mehrfach ausgelöscht werden könnte. Muss ich da noch mehr dazu sagen?

        Ein Hirn- oder Scheckgespenst? Nein, ganz sicher nicht, und Ihr bei Germanwatch seid fachlich so „fit“, dass Ihr das genauso oder besser beurteilen könnt.

        Also, hier nochmal mein Credo: VERZICHT, d.h. keine privaten Flüge, keine Fun-Fahrten mit dem Auto oder Motorrad, keine Hobbyflugzeuge, keine Äpfel aus Südamerika etc. etc. etc. Wie gesagt, der Natur ist es wurscht, ob wir reagieren oder nicht, sie wird ohnehin irgendwann wieder im Gleichgewicht sein, ob mit oder ohne uns, völlig egal. Ach, und übrigens: Der Urlaub „nebenan“, sich am Wochenende mit Freunden treffen oder gemütlich mit dem Partner kochen, lesen, spielen usw. macht richtig Spaß, gibt Lebensgefühl. Probiert es doch mal, all Ihr lieben Motorhörigen!!

        Also Leute: Fasst an Eure eigenen Nasen, und fragt Euch mal ganz selbstkritisch, wie groß Eure Klimasünden tatsächlich sind und ob Ihr Eure Verantwortung begriffen habt. Und damit meine ich JEDEN EINZELNEN.

  3. Roland H sagt:

    Ohne CO2-Lüge keine Öko-Steuer. Deshalb haben die Wirtschaftsbosse CO2 liebgewonnen. Den Öko-Deppen gibt man CO2 zum besseren Einschlafen und der süßen Träume wegen. Dem Baby den Schnuller.

  4. Hermann Merk sagt:

    möglichst schnell weg von der Verbrennung! Falls in einer Übergangszeit auf die Verbrennung noch nicht verzichtet werden kann, Einrichten von Algenzuchtanlagen (Hersteller Algaelink NV; http://www.algaelink.com) und Einbringen von CO2 darin. CCS keine Lösung. Lösung: CO2 umwandeln in Biomasse und daraus Terra Preta herstellen. Kohlenstoff wird stabil eingebunden. Erhöhen der Fruchtbarkeit der Böden

  5. Uwe Kerkow sagt:

    CCS macht die Verbrennung teurer und ist zudem aufgrund ihres Gefahrenpotentials in der dt. Bevölkerung unbeliebt.
    Das wird den EE helfen, deren Grenzkosten ja (derzeit besonders stark bei Solarpanels) weiterhin sinken werden.
    Sobald die globale Konjunktur wieder anzieht, werden fossile Brennstoffe zu allem Überfluss wieder erheblich teurer werden.

  6. Leo Kasek sagt:

    Untersuchen kann man das. Es kann nichts schaden, wenn wir klüger werden. Daß es bei der Kohleverbrennung hilft, bezweifle ich. Da sind einmal Kosten und Risiken, die sich nicht soweit werden reduzieren lassen, daß sie auch die nicht mehr interessieren, die in der Nähe eines CO2 Lagers wohnen. Viel wichtiger ist aber: Kohle wird nach dem knapper werden des Öls als Kohlenstoffquelle für die chemische Industrie gebraucht und wahrscheinlich auch zur Herstellung von flüssigen Kraftstoffen. Größere Elektroflugzeuge wird es wohl nicht geben und wahrscheinlich auch keine Wasserstoff getriebenen. Kohle ist zu Schade, um sie zur Stromherstellung zu verbrennen. Wir müssen daher zügig aus der Kohleverstromung aussteigen.

  7. There is no doubt that CCS will become one the key technologies for mitigating climate change in the 21st century. Germany therefore has a vital interest in pioneering it. Not so much because it will need it domestically, but for exporting the technology to
    China,India, Russia, Australia and the USA, for wich CCS is the only acceptable way for burning their huge coal reserves.
    Wind, solar and hydro power will not suffice to cover the huge energy demand of nine billion human beings in 2050. Nor can energy efficiency do the trick, even if Europe should put it much higer on the priority list.
    Of course, CCS will be more expensive than traditional technologies of power generation. But that goes for all forms of renewable energy until the cost of fossil energy will have gone up much further.
    CCS should be one avenue to the era of a zero-emission
    society. It is not an ideal one, but all forms of renewable energy have drawbacks.
    Unlike nuclear power carbon dioxide storage is not toxic. C02 leakage will be a nuisance if it were to take place in huge quantities, but never a health hazard.
    Gemany should urgently go ahead with pilot operations. It has not time to lose. Global competition is not waiting for Bundesländer and other opponents to accept the inevitable.
    Eberhard Rhein

  8. Die Bewertung von CCS sollte nach den möglichen Anwendungsszenarien differenzieren:
    Innerhalb der EU beispielsweise dürfte CCS-Technologie bei momentanen CO2-Preisen kaum wettbewerbsfähig sein. Ab 2013 werden die EE der Europäischen Union für ihre CO2-Emissionen voraussichtlich Zertifikate ersteigern müssen, die momentan um die 15€ pro Tonne gehandelt werden. Da das Abscheiden und Verpressen einer Tonne CO2 (abhängig von Art der Emissionsquelle und ihrer Entfernung zur nächsten geeigneten Lagerstätte) eher 40 bis 70 € kostet, lohnt sich die CCS-Option momentan nicht.
    Sollten steigende CO2-Preise die Investition in CCS rechtfertigen, dürften die Kosten der Energierzeugung aus erneuerbaren Quellen deutlich wettbewerbsfähiger sein. Neue Kohlekraftwerke zu bauen und die CO2-Kosten über CCS zu vermindern würde ich daher für eine gewagte Strategie halten. Die Emissionen von Bestandsanlagen zu verpressen, ist daher wohl eher eine Option.
    Anders ist die Lage in Entwicklungs- und Schwellenländern, die aus Kostengründen auf Energieerzeugung auf Kohlebasis zurückgreifen und bisher keine CO2-Kosten gegenrechnen müssen. In China und Indien beispielsweise wird stark auf Kohle gesetzt, um die Energienachfrage zu bedienen. Hier stellt sich die Frage, ob CCS nicht in großem Umfang eingesetzt werden sollte, um die Emissionen in den Griff zu bekommen. Finanzieren könnte man dies über den Clean Development Mechanism des Kyoto Protokols oder sonstige Finanzquellen der Industrienationen. China und Indien werden sich vielleicht an den Kosten beteiligen. Eine Alleinfinanzierung ist sicherlich auf absehbare Zeit politisch nicht durchsetzbar.

  9. Vielen Dank an Germanwatch für diese interessante Möglichkeit, diese Thematik zu diskutieren!

    Entwicklungs- und Schwellenländer mit großem Energiehunger haben ein Recht auf wirtschaftliche Entwicklung und setzen bei der Energieversorgung ihres Landes deshalb auch auf billige Kohle: z.B. China. Sie fordern für ihre Bevölkerungen jenen Wohlstand ein, den sich der industrialisierte Norden bereits ermöglicht hat. Deshalb plädieren viele Klimaschützer dafür, diese Technologie hier in Deutschland zu erproben und zu entwickeln, damit diese Länder trotz ihres enormen Energiehungers die Möglichkeit haben, ihre erwartbaren CO2-Emissionen zu bremsen.

    Andererseits halte ich es persönlich für ein intellektuelles, moralisches wie technologisches Armutszeugnis, wenn eine menschliche Gruppe Müll produziert, der so schädlich für die Nachwelt ist, dass er sicher für Jahrhunderte oder gar Jahrtausende verwahrt werden muss. Dies ist sowohl bei der Nuklearenergie wie bei der industriellen Kohlenstoffabscheidung der Fall. (Auch wenn C02 an sich sicherlich kein Müll ist.)

    Ich halte es zudem für Hybris und Selbstüberschätzung, wenn eine menschliche Gruppe glaubt, diesen Müll tatsächlich so sicher verwahren zu können, dass auch in einer sich dauernd veränderndern Welt ihre Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel vor diesem Müll geschützt sind. Deshalb gebietet die Klugheit und Kenntnis menschlicher Fehlerhaftigkeit, von vorneherein solchen Müll zu vermeiden.

    Ich halte Kohlenstoffabscheidung nicht für eine nachhaltige Technologie. Sie macht für mich nur Sinn, wenn sie gekoppelt ist mit der anschliessenden Umwandlung von CO2 in Biomasse (oder anderes) – wenn der „Müll“ also umgehend beseitigt wird. Für solche integrierte Ansätze gibt es bereits diverse Vorschläge und Ansätze aus Unternehmen und Wissenschaft. Sie werden seitens der CCS-Befürworter viel zu wenig beachtet.

    Disclaimer: Ich vertrete beruflich einen Wirtschaftsverband, der jene Branchen und Unternehmen in der europäischen Klima- und Energiepolitik und auf den internationalen Klimaverhandlungen vertritt, die sich für eine nachhaltige Energieversorgung einsetzen. Dazu gehören sowohl Unternehmen, die CCS befürworten, als auch solche, die es ablehnen. Dieser Diskussionsbeitrag ist lediglich Ausdruck meine persönliche Meinung.

    • germanwatch sagt:

      @ Julio Lambing:

      Meiner Meinung nach ist Julio Lambing zuzustimmen, dass es ein intellektuelles, moralisches wie technologisches Armutszeugnis ist, wenn wir Menschen Müll produzieren, der so schädlich für die Nachwelt ist, dass er sicher für Jahrhunderte oder gar Jahrtausende verwahrt werden muss.

      Germanwatch setzt sich – ganz im Sinne von James Hansens ‚Finger weg von der Kohle‘ – dafür ein, den gesellschaftlichen Umbau zu einer 100%igen Strom- (und später dann Energie)versorgung mit Erneuerbaren Energien mit Vehemenz fortzusetzen.
      Aber wir verschließen nicht die Augen davor, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass die Finger von der Kohle nicht wegbleiben. Für diesen unerwünschten Fall wird vorgezogen, das CO2 nicht ‚oben‘ (in der Atmosphäre), sondern ‚unten‘, also geologisch unter dem Erdboden zu lagern.

      Wir erwarten und befürchten, dass die Folgen der menschgemachten Klimaänderung in Zukunft verstärkt auftreten werden, so dass der Druck nicht nur in Richtung einer CO2-freien Gesellschaft zunimmt, sondern dass in wenigen Jahrzehnten sogar sogenannte ’negative Emissionen‘ (d.h. CO2 wird netto aus der Luft entnommen) gefordert werden. Die Nutzung der Biomasse, verbunden mit CCS, wäre eine dafür notwendige Technik.

      Manfred Treber

      • hardy schulz sagt:

        Negative Emissionen mit Biomasse+CCS zu verbinden ist meiner Ansicht nach falsch. Technokratische Loesungen sind nicht notwendig!
        Es gibt die Jahrtausende alte Version der Terra Preta (an derer modernen Umsetzung ich zur Zeit in Bayreuth forsche: http://www.bayceer.uni-bayreuth.de/bayceer/de/forschung/proj/detail.php?id_obj=65285)!

        Warum in die Ferne schweifen & technische Meisterleistungen vollbringen, wenn man stattdessen den Technologietransfer mal wieder umgekehrt nutzen kann (aus dem brasilianischen Regenwald zu uns) & damit noch zusaetzlich Bodenverbesserung, Gewaesserschutz, Duengemittelminderung, Kreislaufwirtschaft, Dezentralisierung etcpp. foerdert?
        Ist der technokratische nicht der Weg, der uns hierher gebracht hat?
        Warum steht Rueckbesinnung & Oeffnung in so schlechtem Licht?

        Klimaschutz kann so einfach sein.
        CCS fuer Indien & China entwickeln, aber Terra Preta fuer uns!
        Das koennte die neue Klimagerechtigkeit sehr attraktiv, denn auf gleichschlanken Beinen stehend, darstellen.

      • germanwatch sagt:

        @ Hardy Schulz:

        „Terra Preta klingt nach einem interessanten Ansatz, der weiter verfolgt werden sollte.
        Uns sind dazu allerdings noch keine (globalen) Szenarien bekannt, welchen Einfluß dies auf den globalen Kohlenstoffkreislauf haben kann.“

        Manfred Treber

  10. Tom sagt:

    CCS ja, aber nicht in Gebieten, wo Menschen leben.

    Wenn schon, dann da, wo es erprobt wurde, z.B. Norwegen, wo übrigens mehr als genügend Platz ist:

    siehe
    http://www.statoil.com/statoilcom/SVG00990.NSF?OpenDatabase&artid=01A5A730136900A3412569B90069E947

    Zitat:
    Store
    With a thickness of 250 metres, the formation can store 600 billion tonnes of carbon dioxide. That compares with a mere million tonnes being injected annually from Sleipner West.

    “The entire carbon dioxide emissions from all the power stations in Europe could be deposited in this structure for 600 years,” says Mr Torp.

    Oder mit Sonne recyclen:

    http://www.africangreenfuture.com

  11. hardy schulz sagt:

    Ein JA oder NEIN geht, denke ich auch, am Thema vorbei.

    Die restlichen Gedanken in den vorherigen Aeusserungen kann ich groesstenteils gutheissen, oder zumindest verstehen.

    Was leider noch ueberhaupt nicht erwaehnt wurde, fuer mich aber die einzige Rechtfertigung oder sogar Daseinsberechtigung fuer CCS ueberhaupt darstellt,
    ist die frage des EXPORTS!

    ‚Wir‘ koennen es uns leisten dafuer zu forschen, das in anderen, technologisch aermeren, Gebieten Kohle noch (ueber Jahrzehnte oder laenger) weniger klimaschaedlich genutzt werden kann.

    ‚Wir‘ haben den technologischen & fiskalischen Vorsprung.

    Wenn nicht Deutschland oder eben generell die ‚technologisch entwickelte Welt‘ diese Techniken entwickelt, um die energetische Nutzung dieser ueppigen Resource klimawirksam abzumildern, wird dennoch Kohle genutzt werden & wird umso mehr CO2 in die Atmosphaere gebrannt werden!

    wir sollten verzichten! klar.

    Die Maden im Speck sollten das ohne Zweifel tun, so sie denn ein eigenes Bewusstsein besitzen & nicht nur unmuendige, willige Rezeptoren weiterer Konsumverheissungen sind.

    Aber wir koennen Verzicht nicht von Laendern erwarten/ fordern in denen Armut noch bedeutet an Hunger & mangelnder Hygiene zu sterben.
    Leider sind wir noch nicht so weit, das die technologische Entwicklung von steigender CO2-Nutzung abgekoppelt ist… aber auch da sind die Nationen gefordert, denen bewiesenerweise 800 Mrd Geldwert ach so locker sitzen (auch wenn es Buergschaften waren; Buergschaften fuer Zukunftsunternehmen bleiben stocken; ja – Systemrelevanz… dennoch!)

    Ausser acht moechte ich nicht die finanzielle Bedeutung von technologischem Vorsprung lassen – Umweltschutz zahlt sich aus! Exportweltmeister der nachhaltigen Technologien! Lasst Opel untergehen!

    [l’existence précède l’essence]

  12. Ranveig Eckhoff, freiberufliche Journalistin sagt:

    Habe nun, Ach! Viele Aussagen über CCS und leider auch viel Unsinn von den Kohle-Enthusiasten studiert, mit heißem Bemüh’n. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor! (Frei nach Goethe).

    Es kann ja auch nicht leicht sein, Dinge bestimmt zu wissen, die mit so vielen ‚vielleicht’ verbunden sind. Chris Davies, britischer MP und großer Vorkämpfer des CCS, mit EU’s Vorschlag zum CCS-Direktiv verbunden, hat aber kein Zweifel: „Der gesamte Kohleverbrauch auf der Welt wird innerhalb 2020 mit 70% steigern.“ (Deshalb müsse man ganz schnell CCS weiterentwickeln). Jonas Gahr Störe, der norwegische Außenminister, redet von den langjährigen erfolgreichen Transaktionen, in Norwegen CO2 am Meeresboden sicher zu lagern. So Störe: „Wir tun es nicht, um die Ölindustrie zu stützen, sondern um das Klima zu retten.“ EU hat Ambitionen, 12 Pilotanlagen zu projektieren. Die G8-Länder wollen 20 große Demonstrations-Projekte schon 2010 auf die Beine stellen. Ja, viele Umweltorganisationen sind auch positiv, während Greenpeace von ‚Falsche Hoffnung’ redet: CCS wird sowieso zu spät sein, um das Klima zu retten.
    Wie sollen sich in all diesem Informationsurwald die Wähler entscheiden? Wir können doch nicht alle Experte sein. Denn es geht wohl hier sehr viel um Politik?! Denn, wie Herr Baake ganz klar macht, wir entscheiden jetzt grundsätzlich über das Leben (und Spenden) unsrer Kinder und weiteren kommenden Generationen. Da braucht man Fokus. CCS-Experimente sind bestimmt gut, wenn sie nicht von Lösungen ablenken. Und Lösungen sind hier unser Fokus. CCS ist einfach zu unsicher, zu teuer und lenkt von den notwendigen Investitionen ab. Wenn so vieles unsicher ist, dann bin ich mir in diesem Falle doch sicher.
    P.S.
    Ich bin Norwegerin. Tut mir Leid wegen grammatischen Fehlern.

  13. Sabine Niels sagt:

    China und Indien so nimmt man an – werden CCS importieren? Und wo sind deren Lagerstätten? Oder sollen die Trassen in die norddeutsche Ebene führen? Wahrscheinlich nicht. Und es ist anmaßend zu behaupten, dass in diesen Ländern langfristig nicht in ausreichendem Maß auf Erneuerbare Energien gesetzt wird, denn schon jetzt wird darin investiert.
    Wir sollten weiterhin Vorbild sein – was mit Endlagern nicht möglich ist, vor allem wenn sie aus den Industriegasen der Braunkohleverstromung befüllt werden.
    Besonders absurd ist hier der Begriff „Brückentechnologie“, denn ein ordnungsgemäßer Rückbau der „Brücke“ ist ja wohl nicht drin.

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