Tina Löffelsend (BUND): Klimaschutz statt CCS!

15. Juli 2009

Tina Löffelsend, Referat Klima, Wirtschaft und Finanzen beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), schreibt:

“Es ist heute nicht zu sagen, ob die CCS-Technologie jemals großtechnisch machbar und wirtschaftlich sein wird. Nehmen wir an, es würde gelingen:

Würde Kohle mit CCS also “sauber”?
Nein, denn beim Einsatz von CCS wird kein CO2 vermieden. Zusätzlich sinkt der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken um durchschnittlich 10 Prozentpunkte, 30% mehr Energieeinsatz wird benötigt, das heißt, CCS erhöht die CO2 –Emissionen sogar noch. Zudem können nur rund 90% der Emissionen abgeschieden werden.

Kann CCS zur Erreichung der Klimaziele beitragen?
Die Technologie soll frühestens 2020 großtechnisch einsatzfähig sein. Bis dahin aber dient CCS den großen Energiekonzernen dazu, den weiteren Zubau von Kohlekraftwerken zu legitimieren. Das droht den CO2 -Ausstoß deutlich zu erhöhen und schafft einen Sockel an Emissionen, bei dem auch der Einsatz von CCS die langfristigen Klimaziele unerreichbar macht. Die entscheidende Frage aber wird nicht mit Sicherheit zu klären sein: ob die unterirdischen Lagerstätten dauerhaft, d.h. für 10.000 Jahre, dicht bleiben. Die Klimapolitik muss daher nach dem Vorsorgeprinzip handeln und ohne die Option CCS kalkulieren.

Brauchen wir CCS als Teil der Energiewende?
Nein, die notwendigen Maßnahmen sind bekannt und vorhanden: Erneuerbare Energien, Effizienz und Energiesparen. Mit CCS werden die Weichen politisch wie in Forschung und Entwicklung falsch gestellt, da zentrale Großkraftwerke konserviert werden, die mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht vereinbar sind. Das ist eine Systementscheidung.

Sollte die Allgemeinheit für CCS zahlen?
Nach heutigen Schätzungen sind die potentiellen CO2 –Lagerstätten nach 30 bis 60 Jahren voll. Der mögliche Nutzen steht daher in keinem Verhältnis zu den notwendigen Milliardeninvestitionen – welche die Energiekonzerne allein aber nicht tätigen werden. Und ob CCS irgendwann zum europäischen Exportschlager wird, ist zumindest fraglich: von Australien bis China wird an CCS genauso geforscht.”


Rainer Baake (DUH): Antworten auf offene Fragen finden – Bietet CCS eine Lösung?

14. Juli 2009

Um auch externe Experten zu Wort kommen zu lassen, haben wir Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V., darum gebeten, einen Gastkommentar zum Thema zu schreiben. Gerne stellen wir ihn an dieser Stelle ein, um einen ersten Impuls für die Diskussion zu liefern:

“Man muss die Augen schon bewusst schließen, um nicht zu sehen, vor welcher Herausforderung wir stehen: Wenn wir den kommenden Generationen auf unserem Planeten keine unbezahlbaren Lasten durch unterlassenen Klimaschutz aufbürden wollen, dann müssen die heutigen Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2050, also in nur vier Jahrzehnten, praktisch auf Null zurückfahren.
Wer vor diesem Hintergrund eine technische Option zur Vermeidung von CO2-Freisetzungen in die Atmosphäre ausschließen will, braucht dafür sehr gute Gründe.

Solche sehe ich z.B. bei der Nutzung der Atomkraft; sie schafft mehr Probleme als sie löst. Ob CCS einen Beitrag zum Klimaschutz liefern kann, ist derzeit offen, weil die Technologie noch nicht in großtechnischen Maßstab erprobt wurde und die ökologischen Risiken der Lagerung weitgehend unerforscht sind. Ohne Erforschung, Erkundung und Erprobung werden wir allerdings auch keine Antworten auf die offenen Fragen finden.

Wenn CCS sich als sicher und verantwortbar erweisen sollte, müssen wir entscheiden, für welche Emissionen wir die knappen Lagerstätten im Untergrund einsetzen wollen; sie stehen uns ja nur einmal zur Verfügung. Die Stromerzeugung können wir schrittweise auf Erneuerbare Energien umstellen; Vorrang sollten nicht vermeidbare Emissionen aus Industrieprozessen haben. Eine Option sind auch Emissionen aus der Nutzung von Biomasse – dann hätten wir eine echte Senke.”

Was denken Sie? Haben Sie Fragen? Diskutieren Sie mit!


Sie suchen Informationen zu CCS?

14. Juli 2009

Dann schauen Sie sich doch mal in unserer Linkliste (siehe obere Leiste) um… Hier finden Sie Links zu Publikationen von Germanwatch, die sich mit der Thematik beschäftigen. Außerdem finden Sie auf unserer Homepage eine umfangreiche Linksammlung mit Hinweisen auf andere Organisationen, die Hintergrundinformationen zu CCS bieten.

Viel Spaß bei der Lektüre!


Sagen Sie Ihre Meinung!

14. Juli 2009

Mit der Diskussion um das vorläufig gescheiterte CCS-Gesetz verbindet sich eine Vielzahl von Fragen: Wie können wir die notwendigen Klimaziele erreichen? Welche Rolle kann die CCS-Technologie bei der  Transformation hin zu einer CO2-freien Wirtschaftsweise spielen?

Kraftwerk Staudinger

Können wir mit dieser Technologie unsere Energieversorgung sichern und zugleich das Klima schützen? Oder spielt die CCS-Technologie lediglich die Rolle einer notwendigen Brückentechnologie, um langfristig unsere Energieversorgung durch Erneuerbare Energien zu sichern?

Birgt die Technologie zu viele Risiken bezüglich der Durchführung? Wenn überhaupt, wann kann CCS eingesetzt werden?

Sie sind herzlich eingeladen, diese und weitere Fragen mit uns und weiteren Experten hier an dieser Stelle zu diskutieren. Vom 14. bis 16. Juli können Sie Ihre Meinung äußern oder Fragen stellen. Am 17. Juli werden wir gemeinsam mit den Experten den Diskussionsverlauf zusammenfassen und abschließend kommentieren. Klicken Sie rein, wir freuen uns auf Sie!


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